02/08/2023

Bildbestimmung

Bildbestimmung von Postkarten

Der Begriff „Illustrierte Postkarte“ dient dem Sammler als Überbegriff für alle gra­fisch oder foto­gra­fisch illus­trier­ten Karten, die einen für die Adresse vor­ge­se­he­nen Platz vor­wei­sen. Im Deutschen Reich galt bereits ab 1872 die Bezeichnung „Postkarte“.
Zur Bestimmung der Datierung von Postkarten gibt es vie­le Kriterien, z. B. Stempel, Wertzeichen, Verlage und Texte.

Anschriftseite (Aversseite)

Gruß aus Edle Krone, Adress-Seite
Gruß aus Edle Krone, Adress-Seite

Hier ist es recht ein­fach, die Karte war 1896 unter­wegs. Wenn der Stempel nicht les­bar wäre, dann sagt die Adress-Seite doch noch eini­ges. Sie ist unge­teilt. Das war bis 1905 der Fall, dann wur­de die Adress-Seite geteilt. Das Wertzeichen „Ziffer mit Krone im Kreis“ war vom 1.10.1889 bis 31.12.1902 gül­tig. Ab 1902 ver­schwand der Begriff „Reichspost“ auf Wertzeichen und wur­de durch „Deutsches Reich“ ersetzt.

Art-Deco-Karten

Gesuchte Postkarten mit Motiven die­ser deko­ra­ti­ven Kunst in der Designgeschichte von 1920 bis 1940.

Feldpost

Feldpostkarten sind wich­ti­ge Zeitdokumente. Soldaten konn­ten pri­va­te Nachrichten an ihre Angehörigen zu Hause sen­den und erfuh­ren auch Neuigkeiten aus der Heimat. Natürlich gab es eine Zensur, auch die Standorte wur­den ver­schlei­ert. Im 1. Weltkrieg wur­den rund 28 Milliarden Feldpostkarten ver­schickt (Quelle Bartko & Reher).

Feldpost, Tuckum (Kurland), Heldenfriedhof, Glas & Tuscher, Leipzig
Feldpost, Tuckum (Kurland), Heldenfriedhof, Glas & Tuscher, Leipzig
Adress-Seite
Adress-Seite

Gruß aus …

Ab ca. 1895 wur­den die Karten „Gruß aus …“ modern. Die Ansichten sind nach Fotografien gezeich­net und litho­gra­fisch repro­du­ziert. Das Datum ist hier noch­mals ersicht­lich. Auch die Druckanstalt hat sich ver­ewigt: Druckerei Glöss, Dresden. Einige Jugendstilelemente sind mit eingebracht.

Gruß aus Edle Krone, Bildseite
Gruß aus Edle Krone, Bildseite

Häufigkeitsmotiv

Häufigkeitsmotiv ist eine Bezeichnung von Ansichtskarten, deren Abbildungen sehr häu­fig vor­kom­men und man daher schluss­fol­gern könn­te, dass die­se Karten von gerin­gem Interesse sind und somit auch einen gerin­gen Wert haben. 

Meißen, Albrechtsburg mit Dampfschlepper
Meißen, Albrechtsburg mit Dampfschlepper

Heimatschutz-Postkarten

Heimatschutz-Postkarten wur­den im Auftrag des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz her­aus­ge­ge­ben. Diese Aufnahmen erfolg­ten, um his­to­risch wert­vol­le Bauwerke zu doku­men­tie­ren. Deshalb erhält die Fotografin Bertha Zillessen (1872–1936) aus Bautzen einen Vertrag vom Heimatschutz. Sie war haupt­säch­lich in der Lausitz und im Erzgebirge, sowie in Dresden, unter­wegs. Dabei ent­ste­hen vie­le her­vor­ra­gen­de Aufnahmen von alten Gebäuden, vor­wie­gend Fachwerkhäuser.
Der Verlag von Reinhard Rothe aus Meißen erhält eben­falls einen Auftrag, es ent­ste­hen die Aufnahmen von Alt-Meißen.

Anwesen in Zschornau, Bertha Zillessen
Anwesen in Zschornau, Bertha Zillessen

Jugendstil

Karten mit Jugendstilelementen kom­men Ende 1890 auf und ver­schwin­den um 1910 wie­der. Zu den Kennzeichen zäh­len: Pflanzenmotive, bevor­zugt Blumen, Birken, gra­fi­sche Ausschmückung mit flo­ra­len Elementen, Darstellung mit flie­ßen­den Linien.

Worpswede Am Dorfe, Nordwestdeutscher Kunstverlag, Goslar, 1909
Worpswede: Am Dorfe, Nordwestdeutscher Kunstverlag, Goslar, 1909

Kabinettfoto

Kabinettfotos kamen um 1870 auf. Die neu­en Glanzabzüge besa­ßen ein inter­na­tio­na­les Standardformat von etwa 10 x 14,4 cm. Sie wur­den auf einen Karton von etwa 16,5 x 10,5 cm auf­ge­bracht, weil sie sich sonst gerollt hät­ten. Ab 1900 ver­lo­ren sie an Bedeutung.

Meißen-Die Fürstenschule, Römmler & Jonas, Dresden, um 1898
Meißen-Die Fürstenschule, Römmler & Jonas, Dresden, um 1898

Künstlerkarten

Hierbei han­delt es sich um illus­trier­te Ansichts- und Motivkarten, deren Entwurf nam­haf­te Künstler zum Druck die­ser Karten gefer­tigt haben.

Zeno Diemer, Partie aus Oberammergau, 1900
Zeno Diemer, Partie aus Oberammergau, 1900

Luftbildaufnahmen

Ab 1933 bestand im Deutschen Reich eine Genehmigungspflicht für Luftbildaufnahmen, in Österreich ab 1938. Die Kartenhersteller muss­ten die Genehmigung durch den Aufdruck „RLM“ (Reichsluftfahrtministerium) nachweisen.

Luftbild Jagdschloss Moritzburg, Walter Hahn

Der Dresdner Fotograf Walter Hahn (1889–1969) hat sehr vie­le Aufnahmen sei­ner Heimatstadt und Umgebung in bes­ter Qualität ange­fer­tigt, dar­un­ter auch vie­le Luftbildaufnahmen. Walter Hahn hat­te noch bis November 1943 eine Sondergenehmigung für Luftbildaufnahmen inner­halb Großdresdens, im Elbsandstein- und Erzgebirge. So ent­stand eine voll­stän­di­ge Dokumentation der Dresdner Architektur vor der Zerstörung. 

Naturfarbenfotografie

Kurhausanlage "Kaiserhof" Bärenfels (Erzgeb.), Damenzimmer, vor 1945, ungel., Dresdner Farbenfotografische Werkstätte A. P. Walther
Kurhausanlage „Kaiserhof“ Bärenfels (Erzgeb.), Damenzimmer, vor 1945, Dresdner Farbenfotografische Werkstätte A. P. Walther
Kurhausanlage "Kaiserhof" Bärenfels i. Erzgeb., Damenzimmer
Kurhausanlage „Kaiserhof“ Bärenfels i. Erzgeb., Damenzimmer, Adress-Seite

Passepartout-Postkarten

Ansichtskarten mit Bildmotiven. Diese wur­den in einen kunst­vol­len Rahmen gesetzt. Herstellung von 1895 bis 1915, der Blütezeit der Lithografie.

Waldhaus bei Greiz, Löffler & Co. Greiz, 1905
Waldhaus bei Greiz, Löffler & Co. Greiz, 1905

Präge-Postkarten

Blütezeit von 1895 bis 1920. Mit die­ser Technik soll­te die Ansichtskarte noch edler und erha­be­ner wir­ken. Sammler bewer­ten die­se Karten höher. 

Gruß aus dem Vogtlande, Verlag Edgar Schmidt, Dresden, um 1900
Gruß aus dem Vogtlande, Verlag Edgar Schmidt, Dresden, um 1900
Gruß aus dem Sachsenlande, König Albert v. Sachsen, 1903
Gruß aus dem Sachsenlande, König Albert v. Sachsen, 1903

Propaganda-Karten

Das Medium Postkarte wur­de zu allen Zeiten auch als Mittel zur poli­ti­schen Einflussnahme genutzt. 

Walter Cordes, Erste Furche für die Produktionsgenossenschaft, 1958, VEB Verlag der Kunst, Dresden
Walter Cordes, Erste Furche für die Produktionsgenossenschaft, 1958, VEB Verlag der Kunst, Dresden

Trachten

Das Sammeln von Postkarten mit Trachtenmotiven ist sehr beliebt und viel­fäl­tig. Besonders Künstler haben vie­le schö­ne Karten angefertigt.

Dame in Tracht vor der Ansicht von Miesbach in Oberbayern, 1899, Ottmar Zieher, München
Dame in Tracht vor der Ansicht von Miesbach in Oberbayern, 1899, Ottmar Zieher, München

Werbung

Werbung der Deutschen Brauer-Union, Zeno Diemer
Werbung der Deutschen Brauer-Union, Zeno Diemer, nach 1910

Quellen

Das gro­ße Lexikon der Ansichtskarten von Günter Fromery, ISBN: 978–3‑928277–21‑1
Identifizieren und Datieren von illus­trier­ten Postkarten von Timm Starl und Eva Tropper, Photoinstitut Bonartes, 2014
Archiv W. Thiele